TAROQ

(2010-11)             

15 Minuten, Auftragswerk des SWR Stuttgart

Uraufführung: 10. Feb. 2012, Eclat-Festival Stuttgart, RSO Stuttgart, Matthias Pintscher

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Hörprobe als Film, der die Tonaufnahme mit einer visuellen Analyse der Formteile kombiniert, mit Hilfe des Crowley-Thoth-Tarotdecks von Lady Frieda Harris

 

Die exzentrische Haltung des Werkes entfaltet sich – in Anlehnung  an eine traditionelle Sonatenform – im formalen Rahmen logisch-verfolgbarer Tonbeziehungen zu entfalten. Die Rolle  der Quinten und Terzen (mit ihrer Vorherrschaft in traditionell „tonaler“ Musik) wurde an Intervalle mit höherwertigen Primzahl-Teilern – 7, 11 und 13 – abgegeben. Der “Seitensatz” tritt daher nach Modulation in das Äquivalent der 13. Proportion ein. Vergleichbar mit dem Kopfsatz aus Schuberts später B-Dur-Sonate erklingt seine Reprise nicht in der Haupttonart, sondern nur eine Quinte tiefer: auf der erhöhten 2. Stufe. Mit seiner Haupttonart, dem exzentrischen Fis, beschreibt das Werk eine großformale Entwicklung des Loslassens und der Befreiung.

Der Verlauf der Formabschnitte wird durch sieben suggestive Untertitel akzentuiert, denen eine Kombination aus dem Crowley-Thoth-Tarotdeck zugrunde liegt. Die Karten, geordnet nach einer Legung, die sich „Stufenleiter” nennt, sollen schlicht bei der Interpretation der verschiedenen strukturellen Elemente helfen. Auf Grund ihrer archetypischen und symbolischen Natur erscheinen sie eine passende Übersetzung der durch sie angesprochenen Inhalte zu bieten. Sie komplettieren, in der Schönheit ihrer symmetrischen Anordnung, den formalen Umriss der Partitur. In der ursprünglichen Legung verkörpern die Karten verschiedene Planeten-Aspekte in chronologischer Reihenfolge. Die hier präsentierte Zusammenstellung hält zudem die vier Elemente in nahezu perfektem Gleichgewicht. Der letzte Schritt dieser Stufe, der sich auf der Schluss-Kadenz befindet, stellt daher die Auflösung aller Spannung dar, wie sie mit dem allerersten Akkord begann. Der Seitensatz, zuerst als Umsturz und Chaos exponiert – wird in der Reprise durch eine weichere und inklusivere Fassung ersetzt. Weitere Parallelen sollten aufmerksam beachtet werden. Die großformale Verwandlung wird schließlich durch spezielle Schlaginstrumente betont – wie die Peitsche und den Hammer –, um die Abschnitt-Übergänge noch stärker zu verdeutlichen.

 

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