STRINGS

(2009)

11 Minuten

Diese Partitur wurde für das Centre d'Acanthes 2009 komponiert und durch das Orchestre National de Lorraine under der Leitung von Jacques Mercier aufgenommen. Ihre mikrotonale harmonische Form resultiert aus einer Studie über das modale System der alten Griechen, die ich 2008 unternahm. Das harmonische System beinhaltet einige ungewöhnliche Modulationen und Sequenzen, die in ihren intervallischen Progressionen den siebenten und elften Spektralton hervorheben. Auf diesem Wege erwächst eine obertönige harmonische Form aus der untertönigen Skala der antiken dorischen αρμονία, die in der Stimmführung der Holzbläser aufscheint.

Aus der Gegenüberstellung der sub-harmonischen Skala und der obertönigen Harmonik ergibt sich ein gespaltener Formplan, in dem die Bass-Arpeggierung der Streicher gegen Ende des Werkes in größtmögliche Distanz gegen die Urlinie zurückfällt. Um dies zu unterstreichen, wurden die Orchestergruppen separate behandelt.  Die Streich-Instrumente heben sich von den Bläsern nicht nur durch diese zusammengesetzte formale Struktur ab, sondern auch deswegen, weil sie einen zusätzlich Stimmungs-Zyklus aus Naturseptimen hinzufügen. Die zweiten Violinen, die Bratschen und die Celli sind durch ein eigenes System in Sechsteltönen verstimmt und spielen entweder auf leeren Saiten oder mit Natur-Flageoletts. Außerdem beginnen die Streicher in der Partitur von einer relativ weit abgeleiteten harmonischen Beziehung: auf dem elften Oberton der Naturseptime von fis.

Als ob die verschiedenen Teilaspekte nach und nach aufgesammelt würden, entwickelt sich das Orchester als ein einziger langer Melodiezug in immer stärkeren harmonischen  Zusammenhang. Daher agiert der erste Abschnitt (δ) mehr oder weniger als Einleitung, nach welcher die sub-harmonischen Skalen-Strukture sich zum ersten Mal mit der Bass-Linie verbindet (γ), und zwar als dessen Naturseptime. Die Art, in der hier erweiterte tonale Beziehungen mehrdimensionale Vektoren bilden und – auf Grund einfacher arithmetischer Proportionen – sub- und super-harmonische strukturen verschmieren, erinnerte mich an die zeitgenössische Superstring-Theorie und inspirierte mich zu dem gegebenen Titel.

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