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lebenslauf

Stefan Pohlit, geboren 1976, wuchs im Umfeld der Kirchenmusik auf und strebte zunächst eine Laufbahn als Trompeter an.  Seinen ersten Kompositionsunterricht erhielt er ab 1992 von Róbert Wittinger. Hierauf studierte er bei Theo Brandmüller (Saarbrücken), Detlev Müller-Siemens & Roland Moser (Basel), Gilbert Amy & Marco Stroppa (Lyon), und dann, bis 2005, bei Wolfgang Rihm, Sandeep Bhagwati und Peter-Michael Riehm (Karlsruhe).

Stefan Pohlits Musik ist durch die Erforschung des „Sinns“ in der Musik geprägt. Die Beschäftigung mit Stimmungssystemen und komplexen harmonischen Beziehungen wird hierbei über die rein akustische Formgebung hinaus zum Ausdruck einer Identitätssuche erhoben. Schon 1997, in Basel, nahm er Unterricht in klassischer Musik Nordindiens bei Ken Zuckerman im Ali Akbar Khan College Switzerland. Am stärksten wurde sein Verständnis musikalischer Inhalte seit 1999 durch das Theoriestudium bei dem der Anthroposophie nahe stehenden Pädagogen Prof. Peter-Michael Riehm (1947-2007) beeinflusst. In seinen Werken untersucht Stefan Pohlit die diskreten Verbindungen zwischen musikalischer Substanz und den bestimmenden geistlichen und gesellschaftlichen Knotenpunkten des 21. Jahrhunderts. Seine Musik entfaltet sich als dynamischer Kontrapunkt einer logisch ausgeformten Dramaturgie. Hier wird der Versuch unternommen, das symphonische Erbe des Abendlandes im Dialog mit östlichen und antiken Traditionen neu zu erfinden - in der Wiederentdeckung der Harmonik des Hans Kayser als musikalischer Geheimwissenschaft. Gleichwohl wird die Fähigkeit der Musik hervorgehoben, ethisch-humanistische Zweifel an der Automatisierung des heutigen Lebens zu äußern und diese in einem komplexen Beziehungsspiel zu durchleuchten.

Aufführungen in zahlreichen Ländern und Festivals, u. a., durch die RSO Stuttgart (SWR) und Saarbrücken (SR), Ensemble Phoenix (Basel), Ensemble Reconsil (Wien), Stadler-Quartett (Salzburg), Ensemble Adapter (Berlin), Ensemble Hezarfen (Istanbul), UMS 'n JIP (Basel-Brig) und das Amsterdam Loeki Stardust Quartet.

Insbesondere durch die Tätigkeit seiner Mutter als Verwalterin des Künstlerhauses Edenkoben gelangte er früh in Kontakt mit namhaften Künstler(inne)n aus Musik, Literatur und den bildenden Künsten. 1993 wurde er mit dem Sonderpreis des Deutschen Komponisten-Interessenverbands ausgezeichnet. Im selben Jahr lud ihn der bedeutende argentinische Pianist Jorge Zulueta (Grupo Acción Instrumental) zum ersten Mal zur Mitarbeit in der Société Franz Schreker nach Paris. Nach dem Vorbild dieser Begegnungen richtete das Kultusministerium Rheinland-Pfalz im darauf folgenden Jahr ein Künstlerstipendium ein, das Stefan Pohlit 1996, nach dem Abitur, selbst verliehen wurde. Während dieser frühen Jahre unternahm er längere Reisen in den Osten, wohnte beispielsweise auf Einladung des Schriftstellers Emil Stoyanov (Bruder des damaligen bulgarischen Präsidenten) im Lamartine-Haus in Plovdiv und war Gast bei Mircea Dinescu in Bukarest. Ab 1999 begann er Arabisch und den Islam zu studieren, bereiste den Mittleren und Fernen Osten und besuchte den Arabisch-Kurs des Institut Bourguiba in Tunis ebenso wie zahlreiche Sufi-Gemeinschaften in verschiedenen Ländern. Ein Stipendium der Landesstiftung Baden-Württemberg führte ihn 2003 zum ersten Mal für längere Zeit in die Türkei, wo er sich als Gast und letzter Schüler des berühmten türkischen Komponisten Nevit Kodallı (1924-2009) in Mersin aufhielt und neben zahlreichen Reisen sowohl das Musikforschungszentrum MİAM der Technischen Universität Istanbul als auch das staatliche Volksmusikarchiv in Ankara besuchte. 2007 übersiedelte er als Doktorand mit einem DAAD-Stipendium nach Istanbul. Auf Einladung Prof. Turgay Erdeners arbeitete am Staatlichen Konservatorium in Ankara als Experte für Neue Musik - in einer Anstellung, die mit Paul Hindemiths Aufbauarbeit der 1930er Jahre in Beziehung gestellt werden kann. 2011 erlangte er in İstanbul den Doktorgrad (Ph. D.) mit einer Dissertation über das Stimmungssystem des weltbekannten Qānūn-Virtuosen Julien Jalâl Ed-Dine Weiss (1953-2015), dem er auch bei der Revision von dessen letzter Komposition behilflich war. Von 2012 bis 2014 arbeitete er als Assistant Professor für Komposition und Musiktheorie am Staatlichen Konservatorium für Türkische Musik der TU Istanbul.  Während seiner Zeit an der TU Istanbul hat Stefan Pohlit durch seine Beziehungen zwei Austauschprojekte mit bedeutenden Ensembles für Neue Musik ermöglicht.

Schlüsselwörter: # neo-pythagoräismus # mikrotonale tonbeziehungen # interkulturelle musik # musikalische anthropologie # musik und geisteswissenschaften

Er ist der zweieiige Zwillingsbruder des Komponisten und Dirigenten Hannes Pohlit und Neffe 2. Grades des Biophysikers Prof. Dr. Wolfgang Pohlit (1928-2005).